Donnerstag, 29. November 2012

Schreien lassen?!

Tom ist 5 Monate 2 Wochen und 4 Tage alt

In einem Forum entstand kürzlich eine hitzige Diskussion, weil eine Mutter einer anderen Mutter den Vorschlag machte ihr Baby doch einfach mal Schreien zu lassen.

In diesem Zuge erinnerte ich mich an unsere (Ein-)Schlafprobleme und den Vorschlag der Hebamme Tom bei Müdigkeit ins Bettchen zu legen und aus dem Zimmer zu gehen, nach 5 Minuten wieder kommen, Kind beruhigen, wieder gehen, nach 10 Minuten wieder kommen, Kind beruhigen, gehen...

Tom sei alt genug um Ursache und Wirkung zu verstehen. Er würde mittlerweile merken: "Aha, ich brülle, dann kommt die Mutti." Außerdem würde er das, was er beim Einschlafen normalerweise bekommt, z.B. die Brust oder eine Kuscheleinheit, auch nach dem Einschlafen wieder haben wollen. Ich wäre quasi das Kuscheltier von Tom.

Ich muss gestehen, der Vorschlag hat mir nicht sonderlich zugesagt und damit teile ich die Meinung der meisten Mamas aus der Forumsdiskussion. Ich finde es absolut unmöglich ein kleines Baby schreien zu lassen. Nicht zu vergleichen bitte mit den Babys, die sich nicht beruhigen lassen. Das ist etwas ganz anderes als ein hilfloses, kleines Kind in seinem Bett/Zimmer zurück- und quasi sich selbst zu überlassen. Babys haben kein Gefühl für Zeit und Raum, wissen nicht wie kurz 5 Minuten sind oder wie lang 1 Stunde ist. Ich gehe nicht davon aus, dass mein 5,5 Monate alter Sohn mit mir Mätzchen treiben möchte, wenn er müde ist und nicht alleine in den Schlaf findet. Er weint weil er Körpernähe benötigt und Schutz. Nein, das kann ich nicht. Zumal man doch solch eine Nähe zu seinem Baby nur so kurz im Leben hat.

Ich bin von einem Forenmitglied auf einen Artikel ("Wie verwöhnt man Kinder" von H. Renz-Polster) aufmerksam gemacht worden. Mit diesem kann ich mich tatsächlich identifizieren und der bestärkt mich darin, dass bei uns alles richtig läuft. Die Nähe zu den Eltern war in der Vergangenheit für Kinder überlebenswichtig. In Zeiten wo Raubtiere auf der Suche nach Nahrung durch die Lager schlichen. Es wäre damals lebensgefährlich für die Kinder gewesen, wenn man ihnen Nähe vorenthalten hätte. Klar, heute kommt kein Tiger mehr vorbei und holt das Kind aus dem Babybett. Aber unsere Babys reagieren nach Instinkten und wissen (noch) nicht, dass sie in Sicherheit sind. In anderen Ländern werden Kinder z.B. hauptsächlich im Tragetuch getragen oder bekommen zur Beruhigung die Brust angeboten. Diese Kinder sollen teilweise später selbständiger durchs Leben gehen, gerade weil im Säuglings- und Kleinkindalter auf ihre Bedürfnisse eingegangen wurde.

Von einer Bekannten weiß ich, dass sie "Schreien lassen" mit ihrem Baby durchgezogen hat. Ihre Tochter war eine Schlafstillerin, nahm keinen Schnuller und kam nach dem Einschlafen alle 2 Stunden und wollte an die Brust. Es hat ca. 1,5 Wochen gedauert und startete (angeblich) mit 3 Stunden Schreien. Die Mutter sei am Anfang stets bei ihrem Kind geblieben und erst später aus dem Raum gegangen. Nach einer Woche wurde das Schreien von Tag zu Tag kürzer und mittlerweile schläft das Kind nach 10 Minuten ein, wenn man es ins Bett legt. Klingt für die Mutter herrlich, aber ich frage mich, was ist mit dem Kind passiert? Hat es resigniert, wurde es gebrochen oder ist es jetzt auch für das Baby gut, dass es in Zukunft ohne Probleme Einschlafen und auch Durchschlafen kann?!

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