Donnerstag, 13. Dezember 2012

Spaßgesellschaft oder kinderarmes Deutschland

Tom ist 6 Monate und 2 Tage alt

Seit ich selbst Mutter bin komme ich irgendwie häufiger mit der o.g. Thematik in Verbindung. Gerade heute ist mir aufgefallen, wie ich gedankenverloren ein paar Jugendliche beobachtet habe und mich gefragt habe, was die später wohl mal machen. Ob sie "Party machen" bis zum Umfallen oder ob sie einmal eine Familie gründen werden.

Ich habe jetzt nicht konkret nach Artikeln o.ä. geforscht zum verlinken, aber man hört ja immer wieder, dass Deutschland eines der kinderärmsten Länder ist. Wir haben immer mehr ältere Menschen, aber immer weniger Kinder. Viele Familien haben, wenn überhaupt nur noch ein Kind, die Eltern selbst sind bei der Geburt ihrer Kinder immer älter.

Letzthin hat eine Kabarettistin im TV gesagt: "... der Deutsche hat im Durchschnitt 1,3 Kinder, schlimm genug, dass er das 2. nicht fertig macht..."

Unsere Gesellschaft ist zur Spaßgesellschaft geworden, jedenfalls ist das meine persönliche Einschätzung, wenn ich mich in unserem direkten Freundeskreis umsehe. Da ist am Wochenende Feiern und (Voll-)Suff angesagt. Unter der Woche geht man Studieren oder Karriere machen. In den Ferien reist man durch die Welt. Da passen keine Kinder ins Konzept. Gedanken, was mal so sein wird und was kommen wird, scheint sich niemand zu machen.

Ich wollte immer früh Kinder, am liebsten schon mit 24 Jahren. Meine Mutter war damals gerade 24 Jahre alt geworden, als ich auf die Welt kam. Ich fand und finde es immer noch prima eine so junge Mutter zu haben. Nicht, dass ich es jetzt schlimm finde, wenn jemand erst mit 40 Jahren das erste Kind bekommt. Das muss letztendlich jeder für sich selbst abwägen. Für mich stand diese Alternative allerdings nie zur Debatte. Weiß ich denn, ob ich mit 40 überhaupt noch ein Kind bekommen kann?! Dann habe ich vielleicht Karriere gemacht, Party gemacht, bin gereist, habe die Welt gesehen, habe gelebt und was erlebt, aber mit wem kann ich das in einigen Jahren teilen wenn keine Kinder da sind. Kinder sind für mich die Zukunft, ohne Kinder gibt es kein Leben. Irgendwie ist das doch auch der Sinn des Lebens, oder nicht? Ich meine, was mache ich denn hier, wenn ich nicht einen Teil von mir dalasse, wenn ich mal gehen muss?

Ein weiteres Problem sehe ich aber in der Finanzierung eines Kindes. Ich frage mich manchmal, wie man die Kinder damals groß bekommen hat. Gibt es tatsächlich so viel mehr Armut und Arbeitslosigkeit in Deutschland gegenüber früher? Oder liegt es daran, dass man seinen Kinder möglichst viel vom (Er-)Leben bieten möchte? Sie mit Spielzeug o.ä. zumüllt, damit es ihnen an nichts fehlt, weil es evtl. an etwas anderem fehlt?! Aber warum haben eigentlich gerade die sozial schwachen Familien die meisten Kinder, hängts da an der Verhütung? Heutzutage sollte man eigentlich meinen, dass alle entsprechend aufgeklärt sind!

Ich finde uns ist einfach das Gefühl für Familien abhanden gekommen. Möglichst früh will man sich von den Eltern abkapseln, dann wird auch im Berufsleben erwartet, dass man flexibel ist und womöglich weit vom ursprünglichen Zuhause wegzieht. Wenn man bedenkt, dass der Mensch zu Urzeiten mal ein Herdentier war, welches in Familienverbänden gelebt hat, dann ist das doch traurig.

Ich finde es echt toll, dass Tom mit Onkel und Tante, Omas und Opas und sogar Uroma und Uropa aufwachsen darf. Ich weiß nicht, was in ein paar Jahren sein wird, aber aktuell haben wir nicht vor Tom als Einzelkind aufwachsen zu lassen. Auch Geschwisterkinder profitieren in der Entwicklung voneinander.

Demnach... ihr Lieben... bekommt mehr Babys!


Kommentare:

  1. Du vergisst:
    Wie viele möchten Kinder und bekommen keine, weils einfach nicht klappt???

    Ob nun mit 26 oder endlich mit 40 ...

    LG!

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  2. Finde das hast du sehr gut gesagt, ich denke, dass wir eine Konsumgesellschaft sind und Armut auch darin definiert wird ob das Kind ne Playstation zum dritten Geburtstag bekommt oder nicht :/

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    1. Danke dir... mir fällt da spontan meine Schulzeit ein. Da wollte jeder diese Adidashosen zum Aufknöpfen tragen oder Miss Sixty Jeans oder Buffalos. LG

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  3. Ich vermute, viele bekommen unfreiwillig keine Kinder, z.B. weil es nicht geht oder Sie unfreiwillig single sind oder der Partner nicht will. Und Geld ist schon ein Thema: bei den Immobilienpreisen in München ist ein Kinderzimmer nicht so leicht finanziert. Es sind also nicht alles Spaß versessene Egoisten die keine Kinder bekommen. Und wie du schon geschrieben hast, ist die heutige Arbeitswelt auch nicht gerade familienfreundlich. LG Marion

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  4. das ist n schwieriges thema finde ich...... immobilienpreise würd ich jetzt nicht unbedingt als grund gegen kinder hernehmen, auch in münchen gibts hartz IV empfänger mit kindern und die zelten ja nu auch nich auf der grünen wiese.
    klar will man seinen kindern was bieten und klar spielt das finanzielle auch mit rein, aber an sich eher bei der entscheidung "wie lange kann einer von uns zu hause bleiben dass wir noch gut zurechtkommen mit dem einkommen und wie wird unser kind danach betreut?". wenn es keine kita-plätze oder omas in der nähe gibt, kann man auch nicht früh wieder arbeiten gehen. betreuungsgeld ist ein witz und spricht meiner meinung nach eher das falsche publikum an... wir hätten anspruch und werden es auch dankend annehmen, aber für viele kinder wäre ein kita-platz m.E. besser. egal. finanzielle gesichtspunkte kann man nicht komplett ausser acht lassen.
    was auch noch wichtig ist: die gebärfähigen und -willigen frauen kommen selber aus geburtenschwachen jahrgängen, wie sollen wir das auffangen? da müssten wir schon alle so 4 kinder haben um die alterspyramide mal wieder ordentlich durchzumischen. ;-)
    wann fangt ihr an mit tom 2.0? :) zwuggel 2.0 startet 2013 irgendwann denke ich :)

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    1. Na, ich denke aber durchaus, dass auch die Unterkünfte heutzutage eine Rolle spielen. Man muss sich nur mal anschauen, was man heute für ein eigenes Grundstück - ohne Haus - hinblechen muss. Je nach Wohngebiet natürlich. Aber die günstigen Bauplätze gibts meist nur in Ortschaften oder Gegenden wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Was natürlich zum Wohnen erst einmal sehr schön erscheint, wenn man aber noch irgendwie zur Arbeit kommen will oder sich mit Lebensmittel versorgen muss, gibts in solchen Ortschaften meist Probleme.

      Betreuungsgeld... ja, das hat mich auch schon beschäftigt. Es ist zwar schön, die Mütter animieren zu wollen bei den Kindern zu bleiben, aber irgendwie sind 150 € ein Witz, oder?

      Tom 2.0 wird bei uns noch etwas dauern. Ich habe 2 Jahre Elternzeit und wenn es sich Betreuungstechnisch mit den Großeltern regel lässt, gehe ich bereits nach 1,5 Jahren für 8 Std./Woche wieder arbeiten. Mit 2 Jahren kommt Tom in den KiGa und dann arbeite ich erst noch ein bissi Halbtags. Früher lohnt es sich für mich Finanziell leider kein Stück. Da kostet der KiGa Platz fast mehr als ich Fahrtkosten zur Arbeit habe und Verdiene.

      LG

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  5. schön,dass du das thema aufgreifst :) für mich stand fest,nicht allzu spät mutter zu werden.allein schon deswegen weil mein mann 10 jahre älter ist als ich und nicht erst mit über 40 das erste mal papa werden wollte.wie du weißt ist das zweite bei uns schon in arbeit ;) klar mache ich mir gedanken darüber wie wir es finaziell schaffen und wie es mal wird mit der arbeit und so.aber ich bin fest davon überzeugt,dass man es schafft wenn man will.wenn wir nur noch daran denken würden,dass alles teurer wird,dürften wir keine kinder mehr in die welt setzen.
    wann gehts bei euch los mit dem zweiten?

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    1. Tom 2.0 wird bei uns noch etwas dauern. Ich habe 2 Jahre Elternzeit und wenn es sich Betreuungstechnisch mit den Großeltern regel lässt, gehe ich bereits nach 1,5 Jahren für 8 Std./Woche wieder arbeiten. Mit 2 Jahren kommt Tom in den KiGa und dann arbeite ich erst noch ein bissi Halbtags. Früher lohnt es sich für mich Finanziell leider kein Stück. Da kostet der KiGa Platz fast mehr als ich Fahrtkosten zur Arbeit habe und Verdiene. Aber vor Kind Nr. 2 möchte ich halt gerne noch etwas Arbeiten gehen.

      LG

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  6. Ich kenne viele, die sich Kinder wünschen und es klappt leider nicht.
    Ich auch.
    Und bis zur 40 sind es noch einige Jahre.
    Du hast Glück gehabt, genieße es.

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  7. Ich wollte auch immer Kinder. Mindestens zwei. Nach einer Ausbildung, etwas Berufserfahrung hänge ich mit 26 Jahren nun im Studium bis ca. 2015. In der Zeit ist auch erst mal nicht an Kinder zu denken.
    Ich hatte vor ein paar Monaten ein Gespräch passend zum Thema mit meiner Gynäkologin. Sie meinte, dass sie von intelligenteren Menschen eher hört, dass die erst im Leben stehen wollen, weil sie ihrem Kind auch etwas bieten möchten und ich sag mal den "bildungsferneren" Frauen treten häufig bei ihr als oft noch minderjährige Schwangere auf, die sich auch mal ein Kind nach dem anderen "machen lassen", weil sie keine Lust auf Arbeit haben. Kennt ihr den Film Idiocracy? Da geht es um die Verdummung der Menschen, dass die "Dümmeren" sich fortpflanzen wie die Kanickel und die "Klugen" stets und ständig auf den richtigen Zeitpunkt warten, mal stimmt der berufliche Hintergrund nicht, dann ist die finanzielle Lage nicht abgesichert und der nächste Grund zum Warten ist dann die schlechte wirtschaftliche Lage.
    Ich verurteile niemanden, der schon mit 18 oder früher gewollt oder nicht ein Kind bekommt, es kommt auch immer darauf an, wie diejenigen mit der Situation umgehen.

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    1. Ja, das mag durchaus ein Grund sein. Ich muss sagen, mir waren auch einige Punkte wichtig, die ich erledigt haben wollte: Schule/Abschluss, Ausbildung, Partnerschaft, Ausziehen, Auto, fester Job, Heiraten, dazwischen etwas Reisen.

      Hat auch alles soweit geklappt bei uns. Ich hab sogar Fachhochschulreife ;-)
      Wir haben also auch unseren Spaß gehabt und sind trotzdem noch unter 30 gewesen beim ersten Kind. Auch wenn die 30 nicht mehr weit ist.

      Mein Mann geht noch 1,5 Jahre neben dem Beruf auf eine Abendschule. Das ist hart, aber machbar. Lg

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  8. Ach, Kinder zu bekommen ist doch genauso Egoismus (ergo der eigene Spaß)wie keine zu bekommen. Wer bekommt schon Kinder, weil er denkt, dem Land etwas zu schulden? Nein, es geht um die Familie und sein persönliches Glück.
    Dieses "persönliche Glück" ist individuell und nur aufgrund dessen, dass ich keine Kinder bekommen möchte, heißt das nicht, dass ich "immer nur Spaß und saufen" will und auch meine Familie steht bei mir hoch im Kurs. Genauer gesagt ist meine Familie sogar erweitert: denn meine Freunde, auf die mehr der Fokus liegt als hätte ich Kinder, zähle ich ebenso zu meiner Familie. Die Menschen, die ich liebe, sind meine Familie.


    "Ich meine, was mache ich denn hier, wenn ich nicht einen Teil von mir dalasse, wenn ich mal gehen muss?"
    Ach es gibt so verdammt viel, was man der Welt hinterlassen kann. das meiste ist freilich intellektueller und/oder kreativer Natur und dementsprechend nicht so einfach zu produzieren wie ein Kind, zu dem es uU. sogar nur ein geplatztes Kondom oder Unwissen die Verhütung belangt bedarf.
    Mehr noch: Deutschland ist vielleicht kinderarm. Die Welt jedoch birst vor lauter Menschen fast. Es liegt nicht in der Natur einer Gattung, sich zu überproduzieren, wie es der Mensch tut - in der Natur reguliert sich die Population auf natürliche Weise.

    Du betrachtest das meiner Meinung nach (!) stark vereinfacht und oberflächlich.

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    1. Das liegt natürlich im Auge des Betrachters. Familie ist für mich Verwandtschaft. Das heißt aber nicht, dass Freunde für mich weniger wichtig wären.

      Ansonsten gehört dann doch etwas mehr zum Kinderbekommen dazu als ein geplatztes Kondom. Sehr oberflächlich betrachtet. ;o)

      Lg

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  9. Natürlich, Zeitzeugin, es geht bei uns um das persönliche Glück. Vielleicht hat die Entscheidung für ein Kind mit Egoismus zu tun. Aber das Leben mit einem Kind heißt auf die Bedürfnisse anderer einzugehen, und sein Ego hintanzustellen. Das bedeutet manchmal auf einiges verzichten zu müssen, sowohl materiell als auch ideell. Und dieses Eingehen auf andere Bedürfnisse fällt vielen unserer Ego-Gesellschaft schwer. Wir haben es bereits in großem Maß verlernt - eine Entwicklung, die uns bestimmt nicht reicher macht.

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