Donnerstag, 27. Februar 2014

Gedanken, Sorgen und Ängste bei der 2. Geburt



 Der Frosch ist 1 Jahr 8  Monate und 2 Wochen und 2 Tage alt

23. Schwangerschaftswoche, 22 Wochen und 3 Tage Schwanger

Das Thema beschäftigt mich schon seit Beginn der Schwangerschaft, vielleicht hat es auch nie aufgehört mich zu beschäftigen: Toms Geburt und die (nahende) Geburt vom Babybruder.


Dazu hole ich am besten noch einmal kurz aus, den Rest kann man im Geburtsbericht vom Frosch nachlesen.


Der Frosch lag seit Februar 2012 bei jedem Frauenarzttermin mit dem Kopf nach unten. Es gab für mich nie einen Grund zur Annahme, dass die Geburt nicht natürlich ablaufen könnte. Von meiner Hebamme hatte ich mir damals das Becken von Außen anschauen lassen – man hört ja immer solche Sachen wie „Becken zu schmal, Kind zu schwer – Kaiserschnitt“. Meine Hebamme sah keinen Grund zur Beunruhigung. Ich hatte daher nur kurzzeitig Sorge, weil meine Schwiegermutter beide Söhne per Kaiserschnitt entbinden musste, aus dem o.g. Grund. Ich selbst kam natürlich zur Welt, meine Schwester wiederrum war ein Kaiserschnitt aus BEL.


Ansonsten beschäftigte ich mich nicht näher mit dem Thema Geburt, außer natürlich im Geburtsvorbereitungskurs. Ich nahm alles interessiert zur Kenntnis, hatte aber keinerlei Wünsche wie bestimmte Musik zur Entspannung im Kreißsaal o.ä.


Am Tag von Toms Geburt sollte ich mich zur Einleitung im Krankenhaus melden, ich war bereits eine Woche über Termin und wie das halt so üblich ist heutzutage, wird dann (gerne) eingeleitet. Zum Glück ging es in den frühen Morgenstunden durch einen Blasensprung noch von alleine los und eine Einleitung war nicht notwendig.


Nach der Ankunft im Krankenhaus hatte ich ziemlich schnell sehr heftige Wehen, eine ging in die andere über und ich hatte keine Verschnaufpause. Alles, was man uns im Geburtsvorbereitungskurs angeboten hatte, konnte ich nicht anwenden, ich war bewegungsunfähig und nur mit Veratmen beschäftigt. Alles war mir unangenehm, man durfte mich nicht einmal anfassen. 


Irgendwann kam der Punkt an dem ich eine PDA verlangte, mir wurden noch Alternativen angeboten, aber die Hebamme hatte im Geburtsvorbereitungskurs davon abgeraten und ich lies mich daher nicht drauf ein.


Zum Zeitpunkt der PDA war der Muttermund bei ca. 4-5 cm und ich hatte seit ca. 5 Stunden diese starken Wehen. Die PDA war eine Erleichterung, aber danach ging es nicht mehr so recht weiter mit dem Öffnen des Muttermundes. Zu Beginn spürte ich meine Beine noch und ich spürte auch die Wehen als eine Art Druck im Unterleib, aber mehr nicht. Die Beine wurden irgendwann taub, gegen Mittag bekam ich Fieber, eine Infektion durch den Blasensprung hatte sich eingeschlichen.


Es wurde Nachmittag, es wurde Abend und zum Schluss stand immer noch ein Stück des Muttermundes und öffnete sich einfach nicht. Ich konnte aufgrund der tauben Beine nicht mitarbeiten und der Frosch rutschte mir immer wieder hoch, schaffte – laut Hebamme und Ärztin – eine Drehung nicht, die notwendig gewesen wäre.


Ich weiß die genaue Uhrzeit nicht, aber irgendwann riet man mir zum Kaiserschnitt. Ich hätte noch weiter machen können, Herztöne vom Frosch waren gut und mir ging es auch nicht schlecht. Aber ich hatte einfach keine Presswehen und mal ehrlich, nach so vielen Stunden im Kreißsaal sagt man auch nicht „Hach, macht gerade so viel Spaß, ich probiere es noch weiter.“ Ich habe einfach nur gedacht „Schade“ und zugestimmt.



Ich fühle mich durch den Kaiserschnitt selbst auch nicht traumatisiert, wie viele Mütter. Das betone ich immer wieder gerne. Der Kaiserschnitt war absolut schön, wenn man eine OP so bezeichnen kann. Das OP-Team war super, ich hatte meine Mutter dabei, oben wartete der Frosch-Papa auf die Ankunft seines Sohnes und ich durfte mein Baby im Arm halten.


Dennoch ist eine Kaiserschnitt eine Operation und für mich eine Art Notausgang. Ich bin froh, dass es diesen Notausgang gibt und halte auch nichts von einer natürlichen Geburt auf Teufel komm raus, genauso wenig halte ich aber auch von einem Wunschkaiserschnitt.


Mein Mann meint heute noch, dass es doch egal ist, wie das Kind rauskommt. Hauptsache es geht Mutter und Kind gut.


Im Grunde hat er recht, wer weiß, zu anderen Zeiten wären der Frosch und ich vielleicht nicht (mehr) hier. Aber für einen Mann ist es sicherlich auch schwer nachvollziehbar wieso man sich als Frau doch eher den natürlichen Ausgang wünscht als den Notausgang.


Ich hatte einfach sehr lange das Gefühl, dass mir so eine Art Abschluss fehlt. Ich war dankbar, dass es ein natürlicher Geburtsbeginn war und der Frosch somit wusste, dass er auf die Welt kommen wird und nicht einfach – krass gesagt – aus meinem Bauch geschnitten wurde. Das ist es nämlich, was mir bei einem Kaiserschnitt mit Terminierung so überhaupt nicht zusagt. Das Kind ist noch im Bauch, hat es schön kuschelig und plötzlich wird es aus dem Bauch gezogen und was mindestens genauso blöd ist, ist das Datum der Geburt im Voraus zu wissen.


Ich sage es ganz ehrlich, ich bin neidisch auf Frauen, bei denen eine Geburt tatsächlich so romantisch abzulaufen scheint, wie man das gerne mal in Filmen präsentiert bekommt. So problemlos, fast schmerzfrei und ohne stundenlange Schmerzen. Und ich kenne gerade über das Netz tatsächlich Frauen, die die Geburt als schönes Erlebnis bezeichnen.


Nun steht Ende Juni meine 2. Geburt an und ich weiß zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht, wie es laufen wird und ich bin grundsätzlich sehr im Zwiespalt mit mir. Auf der einen Seite wünsche ich mir eine natürliche Geburt, auf der anderen Seite habe ich auch Sorge, dass es einfach wieder so laufen könnte wie beim Frosch. Stundenlang durch schlimme Wehen quälen und am Ende doch im OP zu laden. Wird man mir vielleicht gleich zu einem Kaiserschnitt raten, weil das bekanntlich gerne gemacht wird, wenn die erste Geburt schon ein Kaiserschnitt war?! Wie werde ich dann reagieren?

Ich kann nicht sagen, ob ich dann Frau genug bin, so etwas auf Anraten von Ärzten abzulehnen und es auf natürlichem Wege zu versuchen. Auch, wenn ich im Hinterkopf habe, dass Kliniken an einem Kaiserschnitt wesentlich  mehr verdienen als an einer normalen Geburt.  Das ist auch etwas, das immer in meinem Hinterkopf geistert: Was lief beim Frosch falsch? War der Kaiserschnitt wirklich notwendig? Hätte es noch andere Möglichkeiten gegeben? War vielleicht die PDA Schuld, hätte ich mich auf die Alternativen einlassen sollen? Vielleicht hätte ich dann besser Mitarbeiten können und der Frosch hätte es in den Geburtskanal geschafft? Möglicherweise hätte mir auch die Badewanne Linderung verschafft. Ist vielleicht mein Becken tatsächlich zu schmal oder war irgendetwas im Weg, was Tom daran gehindert hat in den Geburtskanal zu rutschen?



Das sind alles Dinge, die sich rückwirkend nicht mehr so recht klären lassen. Einen Gesprächstermin mit Hebamme und Arzt in meinem Wunschkrankenhaus werde ich vor der Geburt trotzdem machen, einfach um genau diese Fragen und Gedanken anzusprechen und ggf. zu zerstreuen.
Sollte ein Kaiserschnitt notwendig sein, weil mir der Babybruder die Entscheidung (hoffentlich) abnimmt, in dem er dann einfach in BEL liegt, dann würde ich gerne bis zur 40. SSW warten, in der Hoffnung, dass die Wehen einsetzen und der Kleine Geburtsbereit ist.

1 Kommentar:

  1. Hi,
    ich kenne diese Angst, die du schilderst. Bei mir führte das dann zum 2. Kaiserschnitt, was ich nachträglich eigentlich sehr bereue.
    Aber nicht jede Geburt muss gleich ablaufen. Vieles hat man in der Hand und kann es beeinflussen. Ich habe mir bei Nr. 3 das Buch "Meine Wunschgeburt-Selbstbestimmt gebären nach Kaiserschnitt" gekauft.
    Das hat mir erstens geholfen für mich zu entscheiden, was ich selbst wirklich will. Und zweitens hat es mir geholfen, dann die Umsetzung anzugehen und mich gut vorzubereiten.
    Ich habe auch verstanden, welche, wenn auch gut gemeinten medizinsichen Eingriffe, sich wie auf die Geburt auswirken. Z.B. ist bekannt, dass Einleitungsversuche die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen während der Geburt erhöhen.

    Ich wünsch Dir auf jeden Fall eine gute nächste Geburt!
    lg Siri

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